Kunst­schaf­fen­de for­dern fai­res Ur­he­ber­recht

Kunst­schaf­fen­de schla­gen Alarm: Letz­te Chan­ce für ein fai­res Ur­he­ber­recht!

  • 12. Sep­tem­ber: Eu­ro­pa ent­schei­det, Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de for­dern: „JA zur Ur­he­ber­rechts­no­vel­le!“
  • Ein­sei­ti­ge De­bat­te ge­fähr­det Viel­falt von Kunst und Kul­tur
  • Nicht User, son­dern In­ter­net­gi­gan­ten sol­len für die Nut­zung frem­der Wer­ke be­zah­len

Wien, 5. Sep­tem­ber 2018 – Hei­mi­sche Kunst­schaf­fen­de war­nen: Es ist fünf vor zwölf. Mit der Ab­stim­mung über den ak­tu­el­len Ent­wurf der Ur­he­ber­rechts­no­vel­le am 12. Sep­tem­ber im EU-Par­la­ment ent­schei­det Eu­ro­pa über die Zu­kunft der Kunst. Nur mit dem Ent­scheid für die neue Richt­li­nie und der da­mit ein­her­ge­hen­den Wah­rung der Rech­te von Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den im In­ter­net kann ein Kol­laps der eu­ro­päi­schen Kul­tur­viel­falt noch ver­hin­dert wer­den. „Wir müs­sen jetzt han­deln, be­vor es zu spät ist. Nichts we­ni­ger als eine un­ab­hän­gi­ge Kul­tur- und Me­di­en­land­schaft steht auf dem Spiel“, schil­dert Au­tor und Mu­si­ker Ger­hard Ru­iss im Rah­men ei­ner Pres­se­kon­fe­renz den Ernst der Lage. Die De­bat­te sei ein­sei­tig und fän­de ohne die Kul­tur­schaf­fen­den statt: Kon­kret gehe es um kla­re Re­geln für In­ter­net­platt­for­men, die es in der Off­line-Welt für Pro­du­zen­ten, Me­di­en und Ver­la­ge schon längst gibt. In­ter­net­gi­gan­ten wie Goog­le, Face­book, You­Tube & Co, die mit frem­den Wer­ken Mil­li­ar­den ver­die­nen, sträu­ben sich je­doch ve­he­ment, für die Nut­zung ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Wer­ke zu be­zah­len. „Die No­vel­le ist für uns Kul­tur­schaf­fen­de über­le­bens­not­wen­dig“, er­klärt Ru­iss, der ge­mein­sam mit Kol­le­gIn­nen stell­ver­tre­tend für hei­mi­sche Ur­he­be­rIn­nen spricht, und macht deut­lich: „Es geht schlicht­weg dar­um, dass Men­schen ar­bei­ten und da­für kein Geld be­kom­men. Jene, die un­se­re Wer­ke nut­zen, um Geld im In­ter­net zu ver­die­nen, sol­len end­lich be­zah­len.“


No­vel­le SCHÜTZT Mei­nungs- und In­for­ma­ti­ons­frei­heit

Seit Mo­na­ten ver­su­chen Kri­ti­ker Stim­mung ge­gen die No­vel­le zu ma­chen. Al­ler­dings: Die De­bat­te ist von Fehl­in­for­ma­tio­nen ge­prägt und we­nig re­flek­tiert. So ist gar die Rede von „In­ter­net­zen­sur“ und Ein­schrän­kun­gen für User – ein­zig al­lein mit dem Ziel, vom We­sent­li­chen ab­zu­len­ken: Glo­ba­le In­ter­net­platt­for­men ver­die­nen mit frem­den Wer­ken Mil­li­ar­den an Wer­be­ein­nah­men und dar­an wol­len sie auch nichts än­dern. Rich­tig ist: Die No­vel­le för­dert die le­ga­le Ver­brei­tung von In­hal­ten im In­ter­net. „Wir sit­zen mit den Usern in ei­nem Boot, denn auch wir möch­ten, dass vie­le Men­schen un­se­re Wer­ke nut­zen kön­nen. Da­bei müs­sen un­se­re Rech­te aber auch ge­wahrt wer­den, denn Kunst­schaf­fen ist kein Eh­ren­amt“, be­tont Schau­spie­le­rin und Mo­de­ra­to­rin Mer­ce­des Eche­rer. Schon jetzt kann eine Viel­zahl der Kunst­schaf­fen­den nicht mehr von ih­rer Ar­beit le­ben.

Ganz ähn­lich geht es Me­di­en­häu­sern. Sie müs­sen ins­be­son­de­re für das In­ter­net im­mer auf­wen­di­ger In­hal­te pro­du­zie­ren, die dann je­doch kos­ten­los von Goog­le und Face­book ge­nutzt wer­den. Das Leis­tungs­schutz­recht in der No­vel­le will das än­dern: Me­di­en so­wie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten sol­len für die Ver­brei­tung ih­rer In­hal­te im In­ter­net be­zahlt wer­den. Nur so kön­nen auch wei­ter­hin Qua­li­tät ga­ran­tiert und Po­pu­lis­mus ver­hin­dert wer­den. „Seit lan­gem ar­bei­ten Kunst­schaf­fen­de im In­ter­net für we­nig bis gar kei­nen Lohn. Wir brau­chen die No­vel­le jetzt, da­mit es auch im In­ter­net kla­re Re­geln gibt. Wir kön­nen nicht auf die Frei­wil­lig­keit gro­ßer Kon­zer­ne hof­fen“, so Pe­ter Paul Sk­re­pek, Vor­sit­zen­der der Sek­ti­on Mu­sik in der Ge­werk­schaft. Die No­vel­le zielt klar dar­auf ab, Ko­ope­ra­ti­ons-ver­trä­ge zwi­schen In­ter­net­platt­for­men und Ur­he­be­rIn­nen ab­zu­schlie­ßen. Das kommt auch dem User zu­gu­te, der sich der­zeit in ei­ner Grau­zo­ne be­wegt.


Alle zah­len, nur die Gro­ßen nicht

Je­der Ös­ter­rei­cher und jede Ös­ter­rei­che­rin zahlt für die Nut­zung ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Wer­ke – bei­spiels­wei­se bei Ver­an­stal­tun­gen -; je­der Ra­dio- oder TV-Sen­der, je­des Me­di­en­haus eben­so. Nur die gro­ßen In­ter­net­platt­for­men wol­len frem­de In­hal­te kos­ten­los oder viel zu güns­tig nut­zen. „Das In­ter­net ist für uns das Me­di­um der Stun­de und wir lie­ben die Mög­lich­kei­ten, die sich hier bie­ten. Wir wol­len kei­ne Ein­schrän­kung für User, aber es ist klar, dass jene, die da­mit Geld ver­die­nen – und das sind die gro­ßen Platt­for­men – da­für auch ei­nen fai­ren Preis be­zah­len müs­sen“, so Kom­po­nist und Sän­ger Cesár Sam­pson, der sein An­lie­gen be­reits in Brüs­sel vor­ge­tra­gen hat. Er ver­tritt vor al­lem eine jun­ge Ge­ne­ra­ti­on an Kunst­schaf­fen­den, die, wenn es so wei­ter geht, kei­ner­lei Zu­kunfts­chan­cen hat.

Am Bei­spiel des hei­mi­schen Mu­sik­mark­tes wird die Schief­la­ge be­son­ders deut­lich: Mehr als zwei Mil­lio­nen User in Ös­ter­reich nut­zen You­Tube re­gel­mä­ßig für das Strea­men von Mu­sik­vi­de­os. Da­für wur­den im 1. Halb­jahr 2018 Ver­gü­tun­gen von nur 1,4 Mil­lio­nen Euro ge­leis­tet. Ganz an­ders sieht die Si­tua­ti­on bei Strea­ming-An­bie­tern wie Spo­ti­fy aus, die Li­zenz­de­als mit den Rech­te­inha­bern ab­schlie­ßen. Hier be­lau­fen sich die Li­zenz-Um­sät­ze auf knapp 22 Mil­lio­nen Euro bei rund 800.000 Nut­zern (Pre­mi­um und wer­be­fi­nan­zier­te An­ge­bo­te zu­sam­men­ge­rech­net). Der Durch­schnitts­wert der Ver­gü­tung pro User und Jahr un­ter­schei­det sich dra­ma­tisch: 27 Euro bei li­zen­zier­ten An­ge­bo­ten wie Spo­ti­fy – und we­ni­ger als 1 Euro bei You­Tube.*

Am 12. Sep­tem­ber ent­schei­den nun die Par­la­men­ta­ri­er der Eu­ro­päi­schen Uni­on, ob sie auch in Zu­kunft ein star­kes Eu­ro­pa der kul­tu­rel­len Viel­falt wol­len, oder ob man sich dem Druck gro­ßer Kon­zer­ne beugt und da­mit letzt­lich Main­stream-An­ge­bo­ten so­wie Po­pu­lis­mus Tür und Tor öff­net. „Es ist ernst, es geht um viel. Mehr als 1.200 hei­mi­sche Ur­he­be­rIn­nen ha­ben sich da­her zu­sam­men­ge­tan und ei­nen of­fe­nen Brief an die Par­la­men­ta­ri­er ver­fasst. Wir hof­fen auf eine fai­re Ent­schei­dung, auf eine Ent­schei­dung für die Kunst. Ja zur Ur­he­ber­rechts­no­vel­le,“ so Ger­hard Ru­iss ab­schlie­ßend.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen so­wie den of­fe­nen Brief gibt es hier: http://userfreiheit-kuenstlerrecht.at/

Hier gibt es ein Vi­deo zur Pres­se­kon­fe­renz.