Um­fra­ge: Eu­ro­päe­rIn­nen wün­schen mehr EU-Re­gu­lie­rung von Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten

Zwei Mo­na­te vor den EU-Wah­len zeigt eine Um­fra­ge von Har­ris In­ter­ac­tive, dass eu­ro­päi­sche Bür­ge­rIn­nen eine stren­ge­re Re­gu­lie­rung von Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten wie Goog­le oder Face­book möch­ten, so das Er­geb­nis der Be­fra­gung von 6.600 Per­so­nen in Frank­reich, Deutsch­land, Po­len, Spa­ni­en, Ita­li­en, der Tsche­chi­schen Re­pu­blik, Grie­chen­land und Ru­mä­ni­en.

Laut der Um­fra­ge denkt eine gro­ße Mehr­heit der Eu­ro­päe­rIn­nen, dass das EU Par­la­ment in sei­ner letz­ten Amts­pe­ri­ode nicht ge­nug un­ter­nom­men hat, um die Prak­ti­ken gro­ßer Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten zu re­gu­lie­ren. Vor der wich­ti­gen Ab­stim­mung zur EU Ur­he­ber­rechts-Richt­li­nie er­war­ten die Be­frag­ten, dass die EU Si­cher­heit schafft, so­dass Krea­ti­ve eine fai­re Ver­gü­tung von den do­mi­nan­ten Tech-Fir­men für die Nut­zung ih­rer Wer­ke auf de­ren Platt­for­men er­hal­ten.

Eu­ro­päe­rIn­nen er­war­ten Ak­tio­nen von EU In­sti­tu­tio­nen.

64 % der be­frag­ten Bür­ge­rIn­nen sind der Mei­nung, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on in den letz­ten fünf Jah­ren nicht ge­nug ge­tan hat, um die Macht der US. Tech-Gi­gan­ten* zu re­geln.

Nur zwei Mo­na­te vor den Wah­len ist das eine star­ke Bot­schaft für eu­ro­päi­sche Po­li­ti­ke­rIn­nen. Die De­bat­ten rund um die Tech-Gi­gan­ten wer­den in­ten­si­ver und dre­hen sich um The­men wie „fake news“, markt­be­herr­schen­de Stel­lung – die Ur­he­ber­rechts-Richt­li­nie und Re­gu­lie­rung der Ver­brei­tung von In­hal­ten auf den gro­ßen Platt­for­men ist Teil da­von – so­wie Steu­er­auf­kom­men auf na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Ebe­ne.

Eu­ro­päe­rIn­nen sind von un­fai­rem Ver­hal­ten der US Tech-Gi­gan­ten über­zeugt.

74 % der Eu­ro­päe­rIn­nen sind der Mei­nung, dass Tech­no­lo­gie­rie­sen ihre ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen schüt­zen, wenn sie sich zu ei­nem The­ma äu­ßern, statt jene der Be­völ­ke­rung.

Der Ein­satz ih­rer mas­si­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur für ihre ei­ge­ne po­li­ti­sche Agen­da und die Mil­lio­nen, die sie zur Ver­tei­di­gung ih­rer Po­si­tio­nen aus­ge­ben, er­we­cken bei Eu­ro­päe­rIn­nen den Ein­druck, dass Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten we­der neu­tral noch un­ei­gen­nüt­zig agie­ren.

Eu­ro­päe­rIn­nen wün­schen Künst­le­rIn­nen und Krea­ti­ven bes­se­re Ver­ein­ba­run­gen für In­ter­net-Nut­zun­gen.

80% der Eu­ro­päe­rIn­nen spre­chen sich da­für aus, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on Re­geln im­ple­men­tiert, die die Ent­loh­nung von Künst­le­rIn­nen und Krea­tiv­schaf­fen­den ga­ran­tiert, wenn ihre In­hal­te auf In­ter­net­platt­for­men ge­teilt wer­den.

Die Er­geb­nis­se der Um­fra­ge zei­gen, dass die fai­re Ver­gü­tung von Krea­ti­ven durch On­line-Platt­for­men ein An­lie­gen der Eu­ro­päe­rIn­nen ist. Nur eine Wo­che vor der ent­schei­den­den Ab­stim­mung zum Ur­he­ber­recht sen­den die­se An­sich­ten eine star­ke Bot­schaft an die Mit­glie­der des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, die bald über das Schick­sal ei­ner Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie ent­schei­den wer­den, die Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten ve­he­ment zu blo­ckie­ren ver­su­chen.

Es ist nur fair, dass der Markt­wert, den die gro­ßen Platt­for­men fast zur Gän­ze für sich be­an­spru­chen, mit den Mil­lio­nen eu­ro­päi­scher Krea­tiv­schaf­fen­der ge­teilt wird, de­ren Wer­ke on­line ver­füg­bar sind und da­durch Pro­fit für die gro­ßen Platt­for­men ge­ne­rie­ren.

Von 25. bis 28. März fin­den die Ple­nar­ta­gun­gen im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment statt, dort wird über den fi­na­len Text der Eu­ro­päi­schen Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie ab­ge­stimmt. In dem bei­na­he drei Jah­re dau­ern­den Ge­setz­ge­bungs­pro­zess wur­de die Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie ver­bes­sert, es wur­den zahl­rei­che Kom­pro­mis­se er­reicht und Si­cher­hei­ten für EU-Bür­ge­rIn­nen in­te­griert.

Im Text geht es dar­um, die wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen zwi­schen mäch­ti­gen Platt­for­men wie You­Tube, Face­book und Goog­le News und den Künst­le­rIn­nen, Pres­se­ver­la­gen und an­de­ren Krea­tiv­schaf­fen­den, de­ren In­hal­te die­se Platt­for­men er­folg­reich macht, ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen. Wei­ters bie­tet die Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie der krea­ti­ven Ge­mein­schaft und dem ge­sam­ten Kul­tur­sek­tor Rechts­si­cher­heit, in­dem weit­rei­chen­der Zu­gang zu Un­ter­richts­ma­te­ria­li­en, Tex­ten und Da­ten­ana­ly­sen ge­bo­ten wird so­wie bes­se­re ver­trag­li­che Ga­ran­ti­en für fai­re Ver­gü­tung.

Die mitt­ler­wei­le er­bit­ter­te öf­fent­li­che De­bat­te führt dazu, dass In­ter­net­nut­zer im­mer mehr ver­ängs­tigt sind durch ir­re­füh­ren­de Schlag­wör­ter wie „Upload­fil­ter“, Link­steu­ern und Zen­sur­ma­schi­nen. Die­se Aus­drü­cke wer­den von Geg­nern der Richt­li­nie ver­brei­tet und von den US Tech-Gi­gan­ten ver­stärkt, um den Sta­tus Quo zu er­hal­ten und die Richt­li­nie als Gan­zes zu Fall zu brin­gen.

Ob­wohl die Bür­ge­rIn­nen Eu­ro­pas den US Tech-Gi­gan­ten skep­tisch ge­gen­über­ste­hen, ist de­ren Ein­fluss auf das Par­la­ment, das sich auf die Wahl über die fi­na­le Ver­si­on der Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie vor­be­rei­tet, merk­lich spür­bar. Ein Ja zur Ur­he­ber­rechts­richt­li­nie könn­te die öf­fent­li­che Mei­nung zur Leis­tung der der­zei­ti­gen Amts­trä­ger vor den Wah­len al­ler­dings noch än­dern.

*z.B. gro­ße ame­ri­ka­ni­sche In­ter­net­fir­men wie Goog­le, Face­book, etc.

Über Eu­ro­pe for Crea­tors

EU­RO­PE FOR CREA­TORS ist eine Grup­pe von Or­ga­ni­sa­tio­nen aus ganz Eu­ro­pa, in de­nen sich Au­toren, Mu­sik­schaf­fen­de, Pro­du­zen­ten, Schau­spie­ler, Fil­me­ma­cher und vie­le an­de­re zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben. Wir ste­hen für die rund 12 Mil­lio­nen* Jobs in den Bran­chen der eu­ro­päi­schen Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft. Die AKM ist Mit­glied von Eu­ro­pe for Crea­tors.

* Stu­die der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on – 2015 “Boos­ting the com­pe­ti­tiveness of cul­tu­ral and crea­ti­ve in­dus­tries for growth and jobs”