Die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft vor und nach CO­VID-19

Stu­die zur Lage der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft be­leuch­tet die mas­si­ven Aus­wir­kun­gen von CO­VID-19 auf ei­nen der wich­tigs­ten Wirt­schafts­zwei­ge Eu­ro­pas

Wien/Brüssel, 26. Jän­ner 2021

Eine ak­tu­el­le Stu­die von EY zur Lage der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft in Eu­ro­pa zeigt, dass die­ser Wirt­schafts­zweig vor CO­VID-19

  • mehr als dop­pelt so vie­le Men­schen wie in der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ge­mein­sam be­schäf­tigt hat,
  • schnel­ler ge­wach­sen ist als der EU Durch­schnitt,
  • 4,4% des EU Brut­to­in­lands­pro­dukts re­prä­sen­tiert hat.

Die Stu­die be­legt, dass die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft zu den von der Pan­de­mie am här­tes­ten be­trof­fe­nen Bran­chen zählt: stär­ker als der Tou­ris­mus und fast ge­nau­so stark wie der Luft­ver­kehr. Umso mehr kann die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft eine wich­ti­ge Rol­le zur Lö­sung der Kri­se spie­len in ei­ner Zeit, die nach po­li­ti­scher Ein­heit, kräf­ti­gen Im­pul­sen für die Wirt­schaft und so­zia­ler Re­ge­ne­ra­ti­on ruft.

31% we­ni­ger Ein­nah­men in 2020

Im Jahr 2020 hat die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft (KKW) in den 28 Län­dern der EU ei­nen Ein­nah­men­rück­gang von 199 Mrd € oder 31% zu ver­zeich­nen. Da­mit sind ihre Ver­lus­te hö­her als jene der Tou­ris­mus­in­dus­trie (-27%) oder der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (-25%). Die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie sind in al­len Be­rei­chen der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft spür­bar, be­son­ders hart da­von be­trof­fen sind die Be­rei­che Dar­stel­len­de Kunst (-90%) und Mu­sik mit ei­nem Ein­bruch von 76% im Ver­gleich zum Vor­jahr. Ob­wohl On­linen­ut­zun­gen von Mu­sik ge­stie­gen sind, konn­te das Feh­len von Live-Ver­an­stal­tun­gen in keins­ter Wei­se kom­pen­siert wer­den.

Lang­fris­ti­ge Fol­gen ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te

Die Aus­wir­kun­gen der Kri­se wer­den das Wachs­tum der Bran­che noch meh­re­re Jah­re in ganz Eu­ro­pa stark brem­sen. Im Be­reich der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, die die Gel­der für Auf­füh­run­gen aus 2020 erst im heu­ri­gen Jahr an die Rech­te­inha­be­rIn­nen aus­zah­len, be­deu­tet der Rück­gang an Mu­sik­nut­zun­gen ei­nen Um­satz­ver­lust von ca. 35%. Der Ver­kauf von phy­si­schen Ton­trä­gern ist wei­ter­hin rück­läu­fig und liegt eben­falls bei -35%, wäh­rend die di­gi­ta­len Um­sät­ze nur um nied­ri­ge 8% wach­sen wer­den. Erst wenn es eine kla­re Per­spek­ti­ve für die Wie­der­auf­nah­me des re­gu­lä­ren Pro­duk­ti­ons- und Spiel­be­triebs gibt, wer­den auch In­ves­ti­tio­nen und In­no­va­tio­nen wie­der er­fol­gen.

Die Si­tua­ti­on der Mu­sik-Ur­he­be­rIn­nen in Ös­ter­reich

CO­VID-19 hat auch in Ös­ter­reich für mas­si­ve Ein­nah­men­rück­gän­ge bei den Krea­tiv­schaf­fen­den ge­sorgt. Ur­he­be­rIn­nen und Mu­sik­ver­la­ge er­hal­ten im Lauf die­ses Jah­res die für das Vor­jahr an­fal­len­den Tan­tie­men aus­be­zahlt und müs­sen von ei­ner Re­duk­ti­on der Ver­tei­lungs­sum­me um 20,2% auf 85,2 Mil­lio­nen € aus­ge­hen. Die Spar­te Live-Auf­füh­run­gen er­reicht mit ei­nem Mi­nus von 70% ei­nen Ne­ga­tiv­re­kord. Für 2021 wird auf­grund der an­hal­ten­den Be­schrän­kun­gen im Kul­tur­be­reich er­neut eine rück­läu­fi­ge Um­satz­sum­me von 86,3 Mil­lio­nen € (- 9,8 % vs. 2020) er­war­tet, die so­mit um mehr als 25% un­ter den Um­satz­zah­len von 2019 liegt.

Ge­mein­sam die Zu­kunft meis­tern

Die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft wur­de von der Pan­de­mie äu­ßerst hart ge­trof­fen und es wird Jah­re dau­ern, bis sie sich von den Aus­wir­kun­gen er­holt. Im Na­men ih­rer 27.000 Mit­glie­der, der Rech­te­inha­be­rIn­nen von mu­si­ka­li­schen Wer­ken, ruft die AKM die Re­gie­rungs­par­tei­en aber­mals auf, die Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Mu­sik­schaf­fen­de ih­rer wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung ent­spre­chend zu er­hö­hen und die Krea­tiv­schaf­fen­den als Mul­ti­pli­ka­to­ren für die Zu­kunft zu nut­zen.

Pe­ter Vie­w­e­ger, Prä­si­dent AKM: „Die Lage für Krea­tiv­schaf­fen­de ist so düs­ter wie nie zu­vor. In An­be­tracht der her­aus­ra­gen­den wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung des Kul­tur- und Krea­tiv­be­reichs für die eu­ro­päi­sche und auch ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schaft for­dern wir ad­äqua­te Un­ter­stüt­zung für die Ur­he­be­rIn­nen und Mu­sik­ver­la­ge, da­mit sie nach der er­folg­rei­chen Be­kämp­fung der Pan­de­mie ihr krea­ti­ves Po­ten­ti­al neu ent­fal­ten und mit ih­rem künst­le­ri­schen Schaf­fen die Ge­sell­schaft wie­der zu­sam­men­brin­gen kön­nen.“

Ger­not Gra­nin­ger, Ge­ne­ral­di­rek­tor AKM: „Ne­ben ad­äqua­ten fi­nan­zi­el­len Mit­teln zur Über­brü­ckung der Kri­se spie­len die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für den Wie­der­auf­bau der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft und das wirt­schaft­li­che Über­le­ben der Rech­te­inha­be­rIn­nen eine zen­tra­le Rol­le. Die No­vel­le des Ur­he­ber­rechts steht vor der Tür, die Ur­he­be­rIn­nen be­nö­ti­gen drin­gend ei­nen zeit­ge­mä­ßen und ef­fek­ti­ven Schutz ih­rer Leis­tun­gen, vor al­lem im im­mer stär­ker wach­sen­den di­gi­ta­len Um­feld.“

Mira Lu Ko­vacs, Mu­sik­schaf­fen­de: „Die Aus­wir­kun­gen die­ser Kri­se auf die Mu­sik­in­dus­trie be­gin­nen ge­ra­de erst zu grei­fen. 2020 war viel­leicht gar nicht das schwie­rigs­te Jahr für die Mu­sik­schaf­fen­den und das sagt doch viel. Die nächs­ten Jah­re wer­den für mei­ne Kol­le­gIn­nen und mich erst zei­gen, wie dra­ma­tisch und tief­grei­fend die Fol­gen die­ser Pan­de­mie wirk­lich sind.“

Stu­die & Auf­trag­ge­ber

Die Stu­die Re­buil­ding Eu­ro­pe: Die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft vor und nach CO­VID-19 wur­de vom eu­ro­päi­schen Dach­ver­band der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten GE­SAC bei EY in Auf­trag ge­ge­ben und deckt die zehn wich­tigs­ten Be­rei­che der KKW ab. GE­SAC um­fasst 32 Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten aus ganz Eu­ro­pa, die zu­sam­men über eine Mil­li­on Ur­he­be­rIn­nen und Rech­te­inha­be­rIn­nen ver­tre­ten – von Mu­sik- und Li­te­ra­tur­schaf­fen­den über bil­den­de Kunst­schaf­fen­de bis hin zu Film­re­gie und vie­len wei­te­ren Krea­tiv­schaf­fen­den aus den Be­rei­chen Mu­sik, au­dio­vi­su­el­le In­hal­te, bil­den­de Kunst so­wie li­te­ra­ri­sche und dra­ma­ti­sche Wer­ke.

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