Ös­ter­reichs Mu­sik­schaf­fen­de pro­fi­tie­ren nicht vom Strea­ming-Boom

Feh­len­de Live-Ver­an­stal­tun­gen be­dro­hen Exis­tenz von Mu­sik­ver­la­gen und Mu­sik­schaf­fen­den. Ziel­ge­rich­te­te Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men sei­tens der Bun­des­re­gie­rung drin­gend er­for­der­lich.

So­wohl die kürz­lich ver­öf­fent­lich­te EY Stu­die zur Lage der Kunst- und Kul­tur­wirt­schaft in der Eu­ro­päi­schen Uni­on als auch die Zah­len zum Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­markt 2020 zei­gen die mas­si­ven Aus­wir­kun­gen von CO­VID-19 auf die­sen be­deu­ten­den Wirt­schafts­zweig.

Der Mu­sik­markt ist klein­tei­lig und fa­cet­ten­reich. Ne­ben den an vor­ders­ter Front ste­hen­den In­ter­pre­tin­nen und In­ter­pre­ten, La­bels und Pro­du­zen­ten sind es vor al­lem die Mu­sik­ver­la­ge so­wie die Text­au­torIn­nen und Kom­po­nis­tIn­nen, ohne de­ren krea­ti­ves Schaf­fen es gar kei­ne Mu­sik gäbe. Ihre Exis­tenz ist durch das Ver­bot von öf­fent­li­chen Auf­füh­run­gen und nicht statt­fin­den­den Live-Ver­an­stal­tun­gen be­droht, de­ren Aus­fall durch Strea­ming-Ein­nah­men in keins­ter Wei­se kom­pen­siert wer­den kann.

Da­her for­dern die­se Grup­pen er­neut ziel­ge­rich­te­te Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men. Die bis­her ge­leis­te­ten Di­rekt­zah­lun­gen an Künst­le­rIn­nen wa­ren wich­tig, aber nicht aus­rei­chend. Es braucht eine Än­de­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für Hilfs­maß­nah­men, die­se müs­sen auch die In­fra­struk­tur um­fas­sen und be­dür­fen ei­ner Ad­ap­tie­rung der vor­han­de­nen Fi­nanz­in­stru­men­te (Um­satz­er­satz). An­dern­falls ste­hen die Mu­sik­ver­la­ge mit­tel­fris­tig vor dem Aus.

Edith Mi­chae­la Krup­ka-Dorn­aus, Vor­stand Mu­sik­ver­le­ger Uni­on Ös­ter­reich, führt zur dras­ti­schen Si­tua­ti­on der Ver­la­ge aus: „Ös­ter­reichs Mu­sik- und Büh­nen­ver­la­gen ist durch Co­ro­na die Exis­tenz­grund­la­ge weg­ge­bro­chen. Für 2020 be­trägt der Um­satz­rück­gang aus dem di­rek­ten Rech­te­ge­schäft rund 15 Mio €, zu­sätz­lich feh­len 70% der Ein­nah­men von den Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten. Wenn es wei­ter­hin kei­nen Um­satz­er­satz sei­tens der Bun­des­re­gie­rung gibt, wer­den (vie­le) Mu­sik­ver­la­ge die­se Kri­se nicht über­le­ben.“

Ha­rald Ha­nisch, neu ge­wähl­ter Prä­si­dent der Aus­tri­an Com­po­ser As­so­cia­ti­on (vor­mals Ös­ter­rei­chi­scher Kom­po­nis­ten­bund) und Hans Ecker, Vor­stand des VOET Ver­band Ös­ter­rei­chi­scher Text­au­toren, wei­sen dar­auf hin, dass „Mu­sik von Kom­po­nis­tIn­nen und Text­au­torIn­nen ge­macht wird. Wenn die­se nicht zur Auf­füh­rung ge­bracht wird, fehlt ih­nen ihre größ­te und wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le, denn von Strea­ming al­lein kann kein Krea­tiv­schaf­fen­der le­ben.“ Sie for­dern die Ver­ant­wort­li­chen im Staats­se­kre­ta­ri­at für Kul­tur auf, die Be­dürf­nis­se die­ser Grup­pen ge­nau zu be­trach­ten und dar­auf zu­ge­schnit­te­ne Un­ter­stüt­zungs­maß­nah­men zur Ver­fü­gung zu stel­len. „Wir wol­len wie­der auf­tre­ten – las­sen Sie uns ge­mein­sam die da­für not­wen­di­gen Schrit­te set­zen“ for­dern sie ab­schlie­ßend.