Stel­lung­nah­me zur Ur­he­ber­rechts­no­vel­le 2021

AKM und aus­tro me­cha­na ha­ben zum Be­gut­ach­tungs­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Jus­tiz vom 2. Sep­tem­ber 2021 zur Än­de­rung des Ur­he­ber­rechts­ge­set­zes Stel­lung ge­nom­men. Der Ent­wurf setzt zwei EU-Richt­li­ni­en um.

Der Kern der No­vel­le ist die Klar­stel­lung im Ge­setz, dass gro­ße On­line-Platt­for­men wie You­Tube, die ge­schütz­te Wer­ke ver­öf­fent­li­chen, die von Nut­zern hoch­ge­la­den wer­den, da­für Rech­te klä­ren müs­sen. Dies ist ein Mei­len­stein! End­lich kön­nen sich sol­che Platt­for­men nicht mehr auf das Haf­tungs­pri­vi­leg aus­re­den! AKM und aus­tro me­cha­na ha­ben sich seit Be­ginn der Richt­li­ni­en-Ent­wick­lung für die­ses Er­geb­nis stark ge­macht. Wir freu­en uns, dass die­se Re­ge­lung nun in das ös­ter­rei­chi­sche Recht Ein­gang fin­det.

Der Ge­set­zes­ent­wurf stellt über­dies klar, dass Par­odien, Ka­ri­ka­tu­ren und Pasti­ches in Vi­de­os, die von Nut­zern auf On­line-Platt­for­men hoch­ge­la­den wer­den, kei­ne Er­laub­nis der Rech­te­inha­ber be­nö­ti­gen. AKM und aus­tro me­cha­na for­dern in ih­rer Stel­lung­nah­me, dass es für sol­che On­line-Nut­zun­gen eine an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Rech­te­inha­ber ge­ben soll.

Über­schie­ßend über den EU-Richt­li­ni­en­text er­laubt der Ge­set­zes­ent­wurf Nut­zern von On­line-Platt­for­men, ihre In­hal­te beim Upload als „frei“ zu kenn­zeich­nen. Dies soll das Hoch­la­den von frei­en Werk­nut­zun­gen, wie z.B. der Par­odie er­leich­tern. Wir be­fürch­ten mas­si­ven Miss­brauch die­ser Kenn­zeich­nungs-Funk­ti­on. Weil dem durch­schnitt­li­chen Nut­zer freie Werk­nut­zun­gen nicht be­kannt sind, be­steht die Ge­fahr, dass die Nut­zer auf gut Glück die Kenn­zeich­nung vor­neh­men wer­den und die Rech­te­inha­ber ak­tiv wer­den müs­sen. Soll­te der Ge­setz­ge­ber auf der Frei-Kenn­zeich­nung be­stehen und wird ein on­line ge­stell­tes Werk in der Fol­ge er­folg­reich vom Rech­te­inha­ber be­ein­sprucht, for­dern wir eine an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Zeit der On­line-Nut­zung.

Die Ab­schaf­fung des so­ge­nann­ten ORF-Pri­vi­legs steht eben­so im Vor­der­grund un­se­rer Be­mü­hun­gen. Die­se Be­stim­mung, die die ge­rech­te Ver­tei­lung von Tan­tie­men an Ur­he­be­rIn­nen und Mu­sik­ver­la­ge, de­ren Wer­ke im ORF ge­sen­det und an­schlie­ßend via Ka­bel oder Mo­bil­funk an Haus­hal­te wei­ter­ge­lei­tet wer­den, ver­hin­dert, wird seit 1980 von uns be­kämpft.

Im Ent­wurf ist eine Aus­nah­me für Wei­ter­sen­dun­gen von Pro­gram­men, die rein on­line ge­sen­det wer­den, von dem für alle an­de­ren Sen­dun­gen gel­ten­den kol­lek­ti­ven Rech­te­wahr­neh­mungs­sys­tem vor­ge­se­hen. Wir wen­den uns in un­se­rer Stel­lung­nah­me ent­schie­den ge­gen eine sol­che Aus­nah­me, weil sie den Ent­wick­lun­gen am Markt vor­greift. Es ist nicht ab­seh­bar, wie sich rei­nes Web­ra­dio und Web-TV ent­wi­ckeln wer­den. Eine mas­si­ve Stei­ge­rung ist in den nächs­ten Jah­ren zu er­war­ten. Die Wei­ter­sen­der im Er­geb­nis schon heu­te zu be­hin­dern, die­se Pro­gram­me im In­land ef­fek­tiv zu nut­zen, wäre so­wohl für die Nut­zer wie für die Rech­te­inha­ber ab­träg­lich.

Der Be­griff der Re­prä­sen­ta­ti­vi­tät von Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten wird für neue recht­li­che In­stru­men­te, der Li­zen­zie­rung nicht ver­füg­ba­rer Wer­ke und der er­wei­ter­ten kol­lek­ti­ven Rech­te­wahr­neh­mung, ver­wen­det, um Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten neue Ge­schäfts­fel­der zu er­schlie­ßen, die sonst brach­lie­gen wür­den, weil sie vom Rech­te­inha­ber selbst nicht li­zen­ziert wer­den könn­ten. Al­ler­dings ver­wen­det der Ent­wurf den Be­griff der Re­prä­sen­ta­ti­vi­tät aus un­se­rer Sicht zu weit, zu­mal nicht auf die wirt­schaft­li­che Be­deu­tung ei­ner Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ge­schaut wird. Da­her ma­chen wir uns für die Ein­füh­rung wirt­schaft­li­cher Kri­te­ri­en und ein ech­tes Mit­spra­che­recht im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren um ei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven Sta­tus stark.