Pri­vat­ko­pien in Cloud sind zu ver­gü­ten

Rich­tungs­wei­sen­des Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs schließt Ge­set­zes­lü­cke bei Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) hat ein wich­ti­ges Ur­teil für die Mu­sik­schaf­fen­den und alle Künst­le­rIn­nen in Ös­ter­reich und ganz Eu­ro­pa ge­fällt: Wer pri­vat Wer­ke in sei­ner Cloud ab­legt, schul­det den Ur­he­be­rIn­nen, Pro­du­zen­tIn­nen und Künst­le­rIn­nen die Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung. Die­se soll je­doch nicht di­rekt von den Kon­su­men­tIn­nen, son­dern vom je­wei­li­gen Dienst oder als Zu­schlag auf das Ge­rät, mit dem man üb­li­cher­wei­se Zu­gang zur Cloud hat – also Smart­pho­ne, Com­pu­ter oder Ta­blet – be­zahlt wer­den.

Das Ur­teil war mit Span­nung er­war­tet wor­den, weil da­mit klar­ge­stellt ist, dass die Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung auch in Zu­kunft das bes­te Sys­tem ist, um eine fai­re Ent­loh­nung für Kunst­schaf­fen­de si­cher­zu­stel­len. „Die Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung ist eine wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le für Ur­he­be­rIn­nen, de­ren Wer­ke viel und ger­ne ge­nutzt wer­den. Mit die­sem Ur­teil wer­den nun end­lich auch zeit­ge­mä­ße Nut­zungs­ar­ten über die Cloud be­rück­sich­tigt“, zeigt sich Ger­not Gra­nin­ger, Ge­schäfts­füh­rer der aus­tro me­cha­na, er­freut.

Die Kla­ge hat­te die aus­tro me­cha­na ge­gen ei­nen deut­schen An­bie­ter von Cloud­diens­ten für Pri­va­te ein­ge­bracht. In ers­ter In­stanz wies das Han­dels­ge­richt Wien die Kla­ge ab, das Ober­lan­des­ge­richt Wien hat­te je­doch Be­den­ken, ob eine ab­leh­nen­de Aus­le­gung des ös­ter­rei­chi­schen Ur­he­ber­rechts­ge­set­zes im Ein­klang mit EU-Recht stün­de, und leg­te da­her die­se Fra­ge zur Ent­schei­dung dem EuGH vor.

Bis­lang wur­de die Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung nur auf Spei­cher, die sich in End­ge­rä­ten wie Mo­bil­te­le­fo­nen, Com­pu­tern und Ta­blets be­fin­den, so­wie auf Trä­ger­ma­te­ria­len wie USB-Sticks, CD-R oder Spei­cher­kar­ten ein­ge­ho­ben. Der zu zah­len­de Be­trag rich­tet sich grund­sätz­lich nach der Nut­zung und Grö­ße des Spei­chers und be­trägt zwi­schen ei­ni­gen Cents für CD- R und we­ni­gen Euro für Com­pu­ter­fest­plat­ten. Dass Cloud-Spei­che­run­gen für Mu­sik, Film oder Fo­tos auf dem Vor­marsch sind, kann nie­mand ernst­haft be­zwei­feln, wie auch meh­re­re Stu­di­en be­le­gen. Für die­se Art der Pri­vat­ko­pie wur­de aber bis­lang nichts an die aus­tro me­cha­na, wel­che die Spei­cher­me­di­en­ver­gü­tung von den Händ­lern der Ge­rä­te und Trä­ger­ma­te­ria­li­en in ganz Ös­ter­reich ein­hebt, be­zahlt.

Dem wi­der­spricht der EuGH nun­mehr. Eine rechts­kon­for­me Aus­le­gung ent­lang der ein­schlä­gi­gen EU-Richt­li­nie muss Pri­vat­ko­pien in der Cloud in die Ver­gü­tung mit ein­be­zie­hen. An­sons­ten wä­ren Rech­te­inha­ben­de, de­ren Wer­ke in der Cloud ab­ge­legt wer­den, ge­gen­über Rech­te­inha­ben­den, die auch oder nur auf phy­si­schen Spei­chern im In­land vor­kom­men, ohne Grund be­nach­tei­ligt. Die Funk­ti­on ei­nes sol­chen Diens­tes ist aber ge­nau das: ex­ter­nen Spei­cher­platz zur Ver­fü­gung zu stel­len. Weil der End­nut­zer selbst die Ko­pien her­stellt, ist er auch der Schuld­ner der Ver­gü­tung.

Wie ge­nau die aus­tro me­cha­na die Ver­gü­tung nun er­lan­gen darf und in wel­cher Höhe, hat nun das vor­le­gen­de Ober­lan­des­ge­richt Wien im fort­ge­setz­ten Be­ru­fungs­ver­fah­ren zu klä­ren.

Die Klar­stel­lung des EuGH ist nicht nur für Ös­ter­reich, son­dern für alle Kunst­schaf­fen­den und Künst­le­rIn­nen in der EU sehr be­deu­tend.