EU Ur­he­ber­rechts-Richt­li­nie

Die In­hal­te der Richt­li­nen

Die neu­en Ur­he­ber­rechts­richt­li­ni­en zum Di­gi­tal Sin­gle Mar­ket (DSM-RL) und zur Ka­bel­wei­ter­lei­tung (Sat­Kab II-RL) sind ein wich­ti­ger Schritt zu ei­nem mo­dern blei­ben­den Ur­he­ber­recht in Eu­ro­pa.

Haf­tung von On­line-Platt­for­men

Die DSM-RL be­han­delt eine Rei­he ver­schie­de­ner The­men, von ur­he­ber­recht­li­chen Er­leich­te­run­gen für For­schungs­ein­rich­tun­gen bis hin zu ver­grif­fe­nen Wer­ken. Für die AKM und aus­tro me­cha­na we­sent­lich sind die Be­stim­mun­gen über die Haf­tung von On­line-Platt­for­men, die im Früh­jahr in den Me­di­en un­ter „Upload-Fil­ter“ kol­por­tiert wur­de. Da­bei hat­te es sich um eine ge­ziel­te Pro­pa­gan­da-Kam­pa­gne von You­Tube ge­han­delt, das ei­ner Zah­lungs­pflicht für ih­ren do­mi­nan­ten Dienst wei­ter­hin ent­ge­hen woll­te.

Der nun­mehr ver­ab­schie­de­te Art. 17 der DSM-RL re­gelt eine Haf­tung für gro­ße wie klei­ne On­line-Platt­for­men. Für klei­ne­re be­stehen aber we­ni­ger Pflich­ten als für gro­ße. Für alle gleich ist das Er­for­der­nis, ernst­lich zu ver­su­chen, eine Li­zenz für hoch­ge­la­de­ne frem­de In­hal­te zu er­lan­gen. Ein Aus­ru­hen auf Haf­tungs­pri­vi­le­gi­en ist nicht mehr mög­lich. Für die End­ver­brau­cher, die ihre ei­ge­nen Vi­de­os samt frem­den Mu­sik­stü­cken hoch­la­den, muss zu­künf­tig die Platt­form die Li­zenz ab­schlie­ßen, was die­sen Schöp­fern von „User-Ge­ne­ra­ted-Con­tent“ Rechts­si­cher­heit ge­ben wird. Für alle kom­mer­zi­el­len An­ge­bo­te müs­sen der Hoch­la­der oder You­Tube di­rekt Li­zen­zen mit den Rech­te­inha­bern ab­schlie­ßen.

Par­odien, Kri­tik oder ähn­li­ches bleibt wei­ter­hin aus­drück­lich er­laubt. Ent­ge­gen der Falsch­mel­dun­gen ei­ni­ger Me­di­en sind On­line-En­zy­klo­pä­dien wie Wi­ki­pe­dia oder Markt­plät­ze wie willhaben.at nicht von der neu­en Haf­tung um­fasst.

Neu ist eben­so das Ge­bot ei­ner ver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­gü­tung für Buy-Out-Ver­trä­ge, die auch zu ei­ner Nach­ver­hand­lungs­pflicht im Fall von Best­sel­lern füh­ren kann. Sie gilt nur für in­di­vi­du­el­le Ver­trä­ge und nicht für die kol­lek­ti­ve Wahr­neh­mung von AKM und aus­tro me­cha­na.

Ka­bel­wei­ter­lei­tung & Di­rect In­jec­tion

Die Sat­Kab II-RL be­han­delt ei­ni­ge wich­ti­ge The­men rund um Rund­funk­sen­dun­gen und ihre Ver­brei­tung. So dür­fen Sen­der in Zu­kunft von ei­ner er­leich­ter­ten Li­zen­zie­rung für ihre On­line-Be­gleit­an­ge­bo­te zu ge­wis­sen Sen­dun­gen pro­fi­tie­ren.

Eben­so wur­den die aus der Ka­bel­wei­ter­lei­tung be­kann­ten Re­ge­lun­gen – die Au­ßen­sei­ter­wir­kung und die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten­pflicht – auf sämt­li­che tech­ni­sche Wei­ter­lei­tungs­we­ge aus­ge­brei­tet, mit Aus­nah­me all­ge­mein zu­gäng­li­cher Web­sites (‚OTT‘).

Ob­wohl ur­sprüng­lich nicht vor­ge­se­hen vom EU-Ge­setz­ge­ber, konn­ten die In­ter­es­sen­ver­bän­de der Kunst­schaf­fen­den er­folg­reich ein wich­ti­ges The­ma in den end­gül­ti­gen RL-Text hin­ein re­kla­mie­ren, näm­lich die so­ge­nann­te Di­rect in­jec­tion. Es soll nun da­für das glei­che wie für eine klas­si­sche Ka­bel­wei­ter­lei­tung gel­ten, ob­wohl es bei die­ser Form der Sen­dung rein über Si­gnal­ver­tei­ler (Ka­bel, Sa­tel­lit, Mo­bil­funk, Stream) kei­ne öf­fent­lich aus­ge­strahl­te Erst­sen­dung mehr gibt. Die­se Ver­brei­tungs­form über Si­gnal­ver­tei­ler wie A1 oder Ma­gen­ta nimmt ra­sant zu und wird in Zu­kunft die Sen­de­land­schaft be­herr­schen. Es war da­her wich­tig, hier­zu eine kla­re Re­ge­lung zu be­kom­men, von der die Rech­te­inha­ber pro­fi­tie­ren.

Die Richt­li­ni­en wur­den am 17. April 2019 im eu­ro­päi­schen Amts­blatt ver­öf­fent­licht und müs­sen bis 7. Juni 2021 na­tio­nal um­ge­setzt wer­den.