Stu­die

Neue Stu­die be­stä­tigt: Safe Har­bor-Re­geln ver­zer­ren di­gi­ta­len Markt und scha­den Krea­tiv­schaf­fen­den

„Öko­no­mi­sche Ana­ly­se von Safe-Har­bor-Be­stim­mun­gen“ von Pro­fes­sor Stan Lie­bo­witz von der Uni­ver­si­tät Te­xas ist die bis­lang de­tail­lier­tes­te wirt­schaft­li­che Un­ter­su­chung, wie Ur­he­ber­rechts­in­ha­ber durch so­ge­nann­te „Safe-Harbor“-Regelungen in ih­ren Ur­he­ber­rech­ten ge­schä­digt wur­den. Die Wirt­schafts­stu­die wur­de von CI­S­AC, dem In­ter­na­tio­na­len Dach­ver­band der Au­to­ren- und Kom­po­nis­ten Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, in Auf­trag ge­ge­ben und Ende Fe­bru­ar ver­öf­fent­licht.

Die Safe-Har­bor-Re­geln, die vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert ent­wi­ckelt wur­den, um den frü­hen On­line-Han­del zu för­dern, ver­zer­ren heu­te den di­gi­ta­len Markt, Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten pro­fi­tie­ren da­von wäh­rend Rech­te­inha­ber deut­lich un­ter Wert ver­gü­tet wer­den, sagt die neue US-Wirt­schafts­stu­die.

CI­S­AC-Ge­ne­ral­di­rek­tor Gadi Oron führt aus: „Die­se Stu­die zeigt, dass Co­py­right Haf­tungs­pri­vi­le­gi­en, die für das In­ter­net des 20. Jahr­hun­derts ent­wor­fen wur­den, im 21. Jahr­hun­dert drin­gend ei­ner Über­prü­fung be­dür­fen. An­statt – ge­mäß dem ur­sprüng­li­chen Zweck der Safe-Har­bor-Re­ge­lung – jene In­ter­net-Un­ter­neh­men zu schüt­zen, die le­dig­lich Spei­cher­mög­lich­kei­ten an­bie­ten, wer­den die Re­geln heut­zu­ta­ge von Tech-Gi­gan­ten dazu be­nutzt, um Krea­tiv­schaf­fen­de nicht für ihre Ar­beit zu ent­loh­nen. Die­ses Pro­blem kann nicht von der In­dus­trie al­lein ge­löst wer­den – es ist eine Ver­ant­wor­tung der Re­gie­run­gen, die sich um den Kul­tur- und Krea­tiv­sek­tor küm­mern. Krea­tiv­schaf­fen­de ver­die­nen Ge­set­ze des 21. Jahr­hun­derts, die fai­re Be­zah­lung für ihre Ar­beit ge­währ­leis­ten, nicht Ge­set­ze, die dazu füh­ren, dass der Wert ih­rer Wer­ke zu glo­ba­len Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men ab­ge­lei­tet wird. Die Tech­no­lo­gie hat sich wei­ter­ent­wi­ckelt, und die Ge­setz­ge­bung soll­te sich mit ihr wei­ter­ent­wi­ckeln.“

Pro­fes­sor Lie­bo­witz ist ein füh­ren­der Au­tor, For­scher und Wis­sen­schaft­ler in den Be­rei­chen geis­ti­ges Ei­gen­tum, Netz­wer­ke und neue Tech­no­lo­gi­en. Dies sind ei­ni­ge Er­geb­nis­se sei­ner Stu­die:

  • Auf­grund der Safe Har­bor-Re­geln ha­ben Diens­te wie You­Tube, die von Nut­zern hoch­ge­la­de­ne In­hal­te (UUC – user uploa­ded con­tent) an­bie­ten, „ei­nen in­ef­fi­zi­en­ten und un­fai­ren Vor­teil“, wenn sie Ver­ein­ba­run­gen für die Nut­zung ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Wer­ke auf ih­ren Web­sites aus­han­deln.
  • In­fol­ge­des­sen zah­len die UUCs ent­we­der gar nichts für die Nut­zung ge­schütz­ter Wer­ke oder, wenn sie et­was zah­len, ist es we­ni­ger als der Markt­preis.
  • An­de­re On­line-Diens­te (zB Abon­ne­ment­diens­te wie Spo­ti­fy und Ap­ple Mu­sic) ha­ben Nach­tei­le im Wett­be­werb mit UUC-Platt­for­men. Die­se Diens­te ge­ne­rie­ren auf­grund der ver­zer­ren­den Wir­kung von Safe Har­bors ge­rin­ge­re Ein­nah­men und ha­ben eine ge­rin­ge­re Nut­zer­ba­sis.
  • Auf­grund der ver­zer­ren­den Fol­ge­ef­fek­te von Safe Har­bors auf dem brei­te­ren Markt für krea­ti­ve In­hal­te er­hal­ten die Ur­he­ber­rechts­in­ha­ber ge­rin­ge­re Ur­he­ber­rechts­zah­lun­gen von UUC und an­de­ren Diens­ten. Die­se Kür­zun­gen schei­nen „sehr sub­stan­zi­ell“ zu sein.

Cover Etude Stan Liebowitz

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