ORF Ver­trags­ver­hand­lun­gen

ORF will Tan­tie­men kür­zen

Mu­sik­schaf­fen­de fürch­ten um ihre Exis­tens­grund­la­ge

Für Künstler:innen sind Tan­tie­men eine we­sent­li­che Ein­nah­me­quel­le und oft die Ba­sis für ihre Exis­tenz­si­che­rung. Die­se wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung ist durch die For­de­rung des ORF nach ei­ner Re­duk­ti­on des Sen­de­ent­gelts um 30 Pro­zent in Ge­fahr. Die AKM als Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft der Komponist:innen, Musiktextautor:innen und Mu­sik­ver­la­ge kann die­se For­de­rung nicht ak­zep­tie­ren und bringt da­her ei­nen Sat­zungs­an­trag beim Ur­he­ber­rechts­se­nat ein.

Ver­trag Ende 2021 aus­ge­lau­fen – neu­er Ver­trag nicht in Sicht

Die Re­ge­lung für die Ab­gel­tung der Sen­de­rech­te ist be­reits Ende 2021 aus­ge­lau­fen. Ei­nen neu­en Ver­trag gibt es bis­her nicht. Aus­schlag­ge­ben­der Grund: Der ORF be­steht auf eine Ent­gelt­kür­zung von 30 Pro­zent. „Die 30prozentige Re­duk­ti­on der Zah­lun­gen an die AKM kön­nen wir nicht ak­zep­tie­ren. Ein Schlich­tungs­ver­fah­ren wur­de mit dem ORF dis­ku­tiert, da es aber kei­ne Ei­ni­gung auf die pro­zes­sua­len Be­din­gun­gen gab, wur­de da­von Ab­stand ge­nom­men“, er­klärt Pe­ter Vie­w­e­ger, Mu­si­ker und AKM-Prä­si­dent, und er­gänzt: „Wir wer­den da­her beim Ur­he­ber­rechts­se­nat – ein Höchst­ge­richt, das aus qua­li­fi­zier­ten Rich­tern be­steht – ei­nen Sat­zungs­an­trag ein­brin­gen.“

Der Ur­he­ber­rechts­se­nat setzt die Be­din­gun­gen und die Höhe des Ent­gelts fest. Bei­de Par­tei­en – AKM und ORF – sind an die Ver­ord­nung ge­bun­den.

30 Pro­zent Re­duk­ti­on und hohe In­fla­ti­on ge­fähr­den Exis­tenz

Die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on ist ak­tu­ell für alle eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­reits durch die Pan­de­mie ei­nen er­heb­li­chen Rück­gang bei den Tan­tie­men, kommt nun auch noch eine ex­trem hohe In­fla­ti­on zum Tra­gen. Eine Re­duk­ti­on der Sen­de­ent­gel­te durch den ORF um 30 Pro­zent stellt für Künstler:innen eine Exis­tenz­be­dro­hung dar. „Da­her ist eine an­ge­mes­se­ne, fai­re Ent­loh­nung für alle Mu­sik­schaf­fen­den und eine An­pas­sung des der­zei­ti­gen Ta­rifs an die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen un­um­gäng­lich“, so Pe­ter Vie­w­e­ger.

Künstler:innen un­ter­stüt­zen AKM-For­de­run­gen

Die Mu­sik­schaf­fen­den in Ös­ter­reich un­ter­stüt­zen voll­in­halt­lich die For­de­run­gen der AKM. „Vie­le von uns sind haupt­be­ruf­lich Komponist:innen und Textautor:innen, de­ren Exis­tenz­grund­la­ge fast aus­schließ­lich durch die Tan­tie­men­zah­lun­gen der AKM ge­deckt wird. Eine der­ar­ti­ge Ver­kür­zung der Ver­gü­tun­gen gibt es in kei­ner an­de­ren Bran­che und darf es auch bei uns nicht ge­ben“, so Vir­gi­nia Ernst, Sin­ger-Song­wri­te­rin.

Hu­bert von Goi­sern, Mu­si­ker und Kom­po­nist, fügt hin­zu: „Die AKM küm­mert sich ja nicht nur um un­se­re Tan­tie­men, sie ist auch ein gro­ßer För­de­rer von Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen in ganz Ös­ter­reich. Ohne die För­der­mit­tel der AKM – bei­spiels­wei­se für den Ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­fonds – wür­de vie­len jun­gen Künstler:innen eine Start­hil­fe ver­wehrt blei­ben. Nicht ver­ges­sen darf man die Al­ters­si­che­rung und die so­zia­le Un­ter­stüt­zung bei schwer­wie­gen­den Not­fäl­len auf die wir uns bei der AKM ver­las­sen kön­nen.“

Den so­zia­len Aspekt un­ter­streicht auch Chris­to­pher Sei­ler, Mu­si­ker und Text­au­tor, und weist dar­auf hin, „dass ge­ra­de für jun­ge Mu­sik­schaf­fen­de die AKM eine wich­ti­ge In­sti­tu­ti­on ist, um in schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Zei­ten eine ge­wis­se Si­cher­heit zu ha­ben. Tan­tie­men sind für sie oft die ein­zi­ge Ein­nah­me­quel­le.“ 

Ne­ben all den wirt­schaft­li­chen Aspek­ten geht es aber auch um den Kul­tur­auf­trag des ORF. „Durch den Bil­dungs- und Kul­tur­auf­trag ist der öf­fent­lich- recht­li­che Sta­tus des ORF be­dingt. Der Kul­tur­auf­trag darf nicht nur eine Wort­hül­se sein. Der ORF muss kul­tu­rel­le Viel­falt ver­mit­teln und för­dern. Ak­tu­ell se­hen wir die­sen Auf­trag nicht aus­rei­chend er­füllt“, zeigt Tho­mas Lar­cher, Kom­po­nist, auf.

Of­fe­ner Brief an den ORF

Die AKM und mit ihr eine Viel­zahl an Mu­sik­schaf­fen­den for­dern den ORF in ei­nem of­fe­nen Brief ein­dring­lich auf, sei­ne künst­ler­feind­li­che und exis­tenz­be­dro­hen­de Hal­tung auf­zu­ge­ben und

  1. sei­nen ge­setz­li­chen Kul­tur­auf­trag um­fas­send zu er­fül­len,
  2. hei­mi­schen Mu­sik­schaf­fen­den in sei­nen Pro­gram­men ei­nen ent­spre­chen­den Stel­len­wert zu ver­schaf­fen, und
  3. die Komponist:innen, Textautor:innen und Mu­sik­ver­la­ge, ohne de­ren Leis­tun­gen die Pro­gram­me des ORF gar nicht mög­lich wä­ren, an­ge­mes­sen zu ent­loh­nen.

Pe­ter Vie­w­e­ger ab­schlie­ßend: „Wir for­dern da­her – ganz im Sin­ne der von der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung ge­star­te­ten „Fair Pay“-Initiative für Künstler:innen – vom ORF eine Er­hö­hung un­se­rer Ho­no­ra­re und Tan­tie­men, denn: Tan­tie­men sind kein Ta­schen­geld! Zu­dem wün­schen wir uns für die GIS-Zahler:innen, dass der ORF sei­ner Ver­ant­wor­tung nach­kommt und mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät an­bie­tet. Wir als AKM stel­len da­für das mu­si­ka­li­sche Welt­re­per­toire zur Ver­fü­gung – un­ter den ge­nann­ten Be­din­gun­gen.“